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Warum kein Vaterunser

Gespeichert von admin am 8 Mai, 2014 - 22:29

Das Vaterunser,

warum ich bei Trauerfeiern, Hochzeiten

und ähnlichen Anlässen

kein Vaterunser spreche

 

Kritische Gedanken zum Vaterunser

ein Aufsatz von Uwe Peters

 

2. Versuch

 

© bei

Uwe Peters

Jierweg 18

27619 Schiffdorf

www.freier–redner.de

 

 

Das Vaterunser, warum ich bei Trauerfeiern und ähnlichen Anlässen kein Vaterunser spreche?

Weil ich es nicht mehr verantworten kann,

solchen Unsinnstext mit anderen zu sprechen.

 

Mir ist keine kritische Bearbeitung des „Vater-unser“ zugänglich geworden. Da ich andererseits immer wieder bedrängt werde, besonders bei Trauerfeiern, ein „Vaterunser“ zu sprechen, habe ich mich entschlossen, meine Überlegungen in einem Aufsatz darzulegen.

Es ist eine ad hoc Arbeit, aus einer besonderen Situation heraus entstanden und somit auf allen Seiten berichtigungs- und ergänzungsbedürftig. Dieser Aufsatz ist ein vorläufiger Entwurf, andere, bessere Entwürfe werden folgen.

Mit geht es in erster Linie darum, das unerträgliche kritische Schweigen zu durchbrechen und Sinn und Unsinn des allerchristlichsten Gebetes anzuarbeiten.

 

Teil 1:

Der Text

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit

 

(Gegenwärtige ökumenische Fassung – erarbeitet durch die ALT 1971 – aus: wikipedia.org)

 

Teil 2:

Heutige Ausgangslage - allgemein

Das Vater-unser ist das am weitesten verbreitete Gebet des Christentums und das einzige, das laut Aussage des Neuen Testamentes (NT) Jesus von Nazareth selbst seine Jünger gelehrt hat. Es wird von Christen aller Kirchen und Konfessionen gebetet, von den meisten auch im Gottesdienst.

Dazu verwenden sie die längere Version mit insgesamt sieben Bitten, die im Matthäusevangelium enthalten ist. Daneben gibt es im NT noch eine kürzere Version mit fünf Bitten, nämlich im Lukasevangelium.

Durch diese häufige Verwendung ist der Text des Vaterunser einer der bekanntesten Abschnitte der Bibel.“

aus: Vaterunser - Wikipedia

 

Teil 3:

Heutige Ausgangslage - speziell

Bei http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/55952/ lesen wir: „…ob die beiden Evangelisten (Matthäus, Lukas) selbständig diese Fassung veränderten oder ob sie bereits eine veränderte Fassung des ursprünglich griechisch überlieferten Textes vorfanden…

Die auf Jesus selbst zurückgehende Fassung des Herrengebetes lässt sich nicht sicher rekonstruieren, vor allem wegen des im Griechischen nicht mehr gebräuchlichen „epiousion““.

Die Bibelwissenschaft stellt fest, dass die erste schriftliche Fassung griechischen Ursprungs ist, Jesus aber nur aramäisch gesprochen hat. Demzufolge liegen zwischen den Aussprüchen Jesu und den ersten schriftlichen griechischen Fassungen Jahrzehnte mit mindestens einem, wenn nicht gar zwei Generationswechsel.

Frage: Erinnern Sie sich noch genau daran, was Ihr eigener Urgroßvater in einer bestimmten Situation wörtlich gesagt hat? Können Sie das wissen? Natürlich nicht, denn Sie waren ja nicht dabei. Folglich haben Sie ja alles nur vom „hören-sagen“. Diesem „hören-sagen“ vertrauen Sie. Dieses Vertrauen nennt das NT „glauben“.

Die ständig wiederholte Aussage: „Wir wollen beten, wie uns der Herr es gelehrt hat“, ist also falsch. Es muss heißen: „Wir wollen beten, wie wir glauben, dass uns der Herr gelehrt hat…“

Nun gibt uns das NT eine ganz bestimmte logische Reihenfolge an, wie alles „mit dem Glauben“ sinnvoll funktioniert. Im Hebräer 11,6 heißt es: Aber ohne Glauben ist`s unmöglich Gott zu gefallen, denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er sei und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde.

Die Reihenfolge ist hier sehr klar beschrieben, zuerst muss ich etwas glauben und dann werde ich die „Beweise“ bekommen, dass mein Glaube richtig ist. Dieser kryptische Halbsatz: „die ihn suchen, ein Vergelter sein werde“ heißt in unserem modernen Sprachverständnis etwa so: „die ihn suchen, werden von ihm belohnt!“

Daraus ergibt sich die zwingende Schlussfolgerung, wer nicht an Gott glaubt, wird ihn auch niemals finden, geschweige denn von ihm belohnt werden. Das NT betont genau diesen Vorgang an vielen Stellen. Gottesbeweise sind eine Belohnung für den Glauben und sind für Ungläubige – auch für ungläubige Wissenschaften – in keiner Weise zugänglich.

Das NT beschreibt in diesem Text und in vielen anderen, den Glauben als einen zirkulären Prozess, indem der Glaube das bewirkt, was seine Ursache sein soll. Das lineare Denken von der Ursache zur Wirkung ist dem neutestamentlichen Denken fremd. Wittgenstein steht dem neutestamentlichen Denken sehr nahe, wenn er sagt: „Der Glaube an einen Kausalnexus ist der Aberglaube.“

Tractatus, 5.1361

Auch in den Wissenschaften gilt, ich muss zuerst etwas als Beweis anerkennen, dann werde ich den Beweis finden.

Alle Religionen, besonders auch das Christentum, haben versucht, das logische lineare und für jedermann einsichtige Denken – Wittgensteins Aberglaube, der Kausalnexus - für Menschen zugänglich zu machen, die sich entschieden haben, einfach nur linear zu denken. Wittgensteins Aberglaube hat einen großen technischen Fortschritt gebracht. Dabei gilt zu bedenken, dass dieser Fortschritt auch mit einem anderen Denken möglich ist, siehe China mit seinen konfuzianischen Grundlagen.

Wittgensteins Aberglaube – der Kausalnexus – musste für das Christentum brauchbar gemacht werden, denn das lineare Denken war im Vormarsch der mesopotamischen, nordafrikanischen und europäischen Welt. Das konnte nur möglich werden indem das Christentum einen sozialen Auftrag bekam. In Markus 16, 15 – 16 wird den Jüngern befohlen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Der eingangs zitierte Wikipedia-Text macht das Ergebnis deutlich: Alle Christen beten z.B. das Vaterunser, obwohl es bei genauer und nichtgläubiger Betrachtung ein Unsinnstext ist. Kritische Nachfragen zerschellen nun an dem Faktum „alle“ und an der zirkulären Mauer des Glaubens, die wie ein undurchdringlicher Schutzwall die Glaubensinhalte, auch wenn sie Unsinn sind, schützen. Darüber wird noch nachzudenken sein.

Die Bibelwissenschaften wissen auch, dass der „Markus-Schluss 16, 9 – 20“ eine spätere Einfügung ist und weder etwas mit Markus, noch mit Jesus zu tun hat. Dieser Markus-Schluss ist jedoch die ganz harmlose Hinführung zu einer logischen sozialen Schlussfolgerung, deren Vernünftigkeit Karl Popper ausführlich nachgewiesen hat, indem er das geistige Arbeitsprinzip der Deduktion zu einem tragfähigen wissenschaftlichen Grundprinzip ausgearbeitet hat.

Aristoteles hat schon lange vor ihm die Deduktion als „Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere“ verstanden. Möglicherweise versuchte er damit eine Antwort auf die Skeptiker zu geben, die sich über alle außerhalb des Skeptizismus etablierten Glaubens- und Philosophierichtungen als „Dogmatiker“ lustig machten.

In der Deduktion verbirgt sich implizit (unausgesprochen, mitgemeint, mitverstanden) auch das Bedürfnis jeder „geistigen Produktion“ (Idee, Lehre, geistige Annahme, Behauptung, usw.) allgemein zu werden, denn nur dann kann rückkoppelnd der logische Schluss in der Ableitung auf den Einzelnen zwingend gemacht werden. Das Prinzip der Deduktion begründet das Diktat der Massen und umgekehrt begründet das Diktat der Massen den „wissenschaftlichen Weg“ der Deduktion.

Das ist für jedermann, auch ohne wissenschaftlichen Hintergrund, absolut einleuchtend und selbstverständlich und äußert sich in Sätzen wie:“ Jeder macht das so!“ „Heute sieht man das so und so!“ „Alle entscheiden sich so!“ Hier werden rudimentäre Verhaltensweisen und Reste aus der Entwicklungsstufe der Schwarmfischära erkennbar. Gleichzeitig sprechen neuerliche Untersuchungen von den Automatismen der „Spiegelneuronen“.

Massen fallen jedoch bei sprachbegabten Menschen nicht vom Himmel, sondern entwickeln sich beginnend durch das „Zeugnis“ des Einzelnen. (Nachdem die erste Dohle die Systematik der Verkehrsampel zum Nussknacken entdeckt hatte, haben andere Dohlen das System nachgeahmt.)

 

Das NT beschreibt diesen Prozess sehr genau:

Der Anfang ist immer „einer“, in diesem Falle Jesus.

Daraus entwickeln sich mehrere, in diesem Falle die Jünger.

Aus den Mehreren entwickeln sich viele, die frühen Christengemeinden.

Aus den Vielen entwickeln sich alle, die Christenheit.

 

Die Leiter ist klar vorgezeichnet: Einer – mehrere – viele – alle und verliert wegen seiner Selbstverständlichkeit jedes neugierige oder auch wissenschaftliche Interesse.

Dabei verliert dieser Prozess auf jeder weiteren Entwicklungsstufe wesentliche Substanz, ähnlich wie in den homöopathischen Verdünnungen. Dieser Substanzverlust ist der quantitativen Mehrung geschuldet. Wenn eine Idee oder eine Lehre schließlich „alle“ erreicht hat, ist von ihrem Ursprung kaum etwas übrig geblieben. In den Hochpotenzen der Homöopathen findet sich vom Ausgangsstoff auch kein Molekühl mehr. Das komplexe Interesse „der Vielen“ und dann „aller“ verwässert die Ursprungsidee. Dieser Prozess ist unumkehrbar und es wird dann oft mit Mitteln der Gewalt (Ketzer, Hexenverfolgung, kommunistische Säuberungen, usw.) versucht, diesen Prozess der Verwässerung zu stoppen. Systemimmante Prozesse jedoch kann niemand stoppen.

Die literarischen Modelle, die Jesus in die Jetztzeit und in die gegenwärtigen Kirchen und Gemeinden projizieren, machen das anschaulich und für jedermann deutlich. (Jesus heute unter Joachim Kardinal Meisner im Kölner Dom? Das kann überhaupt nicht passen!)

Dennoch wird dieser Weg immer wieder und immer weiter verfolgt, weil der tatsächliche Grund der ist, wenn die Sache endlich alle erreicht hat, können zwingende logische Ableitungen nach Aristoteles und Popper aufgestellt werden. Damit kann man dann das skeptische Gehirn, die Keimzellen allen Aufruhrs, endgültig zur Ruhe bringen. Aristoteles lässt genau wie Popper aus guten Grund das „Allgemeine“ und seine Entstehung nur wenig hinterfragt sein

Die direkten Nachfolger Jesu haben eine Ahnung von diesen Entwicklungen gehabt und haben ihre Ahnungen kryptisch im Bild des Antichristen aufgeschrieben. Wer den Antichristen in politischen oder religiösen Strukturen sucht, sucht vergeblich. Das antichristliche Prinzip ist das „Aristiotelische-Popper-Prinzip“ vom Allgemeinen auf das Einzelne zu schließen. Es ist das anerkannte wissenschaftliche Prinzip rund um den Globus.

Wer dieses Prinzip nicht mitträgt, wird als Spinner aus der Wissenschaftsgemeinde ausgeschlossen und totgeschwiegen, wie zum Beispiel Paul Feyerabend. Die Beschreibung des antichristlichen Modells ist deckungsgleich mit dem modernen wissenschaftlichen „Mainstream“.

Dem gegenüber zeigt Konfuzius uns einen völlig anderen Weg:

Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist.

Ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen die Werke nicht zustande.

Kommen die Werke nicht zustande, so gedeihen Moral und Kunst nicht.

Gedeihen Moral und Kunst nicht, so trifft die Justiz nicht.

Trifft die Justiz nicht, so weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen.

Also dulde man keine Willkür in den Worten.

Das ist alles, worauf es ankommt.

Konfuzius 551 – 479 v. Chr.

 

Konfuzius macht alles an der Sprache fest. Bei ihm gibt es keine andere Begründung von Ethik (und Moral) als nur in der Sprache. Damit greift er darauf zurück, was ausschließlich dem Menschen vorbehalten ist, nämlich die Sprachbegabung. Dabei muss er nicht zwischen dem Allgemeinen und dem Individuellen unterscheiden. Er muss auch nicht Objekte und Subjekte bilden. Vor allen Dingen gibt es bei ihm keine Wahrheiten oder auch „die Wahrheit“ nicht. Er benötigt keine Autoritäten und keine Programme der Zwanglosigkeit. Er braucht keine Massen und keine genialen und überragenden Helden. Die Leiter: Einer – mehrere – viele – alle, interessiert ihn nicht.

Die Quelle seines gedeihlichen individuellen und sozialen Lebens ist die Sprache und der korrekte Umgang mit ihr. Wir würden heute sagen: Die Sprache muss mit allen anderen Aspekten des menschlichen Lebens kongruent sein.

Kongruenz ist ein bedeutender Aspekt psychischer Gesundheit, der die Übereinstimmung von Fühlen, Denken und Handeln bezeichnet.

Im Laufe der vergangenen Jahrtausende ist dieser konstruktive Ansatz immer wieder aufgeflammt und von allen anderen egoistisch motivierten Programmen und Vorstellungen niedergeschrien worden.

Dabei erzählt im hebräisch-christlichen Denkraum die „Legende von Babylon“ genau diesen sprachlichen Ansatz. Gott selbst verhindert die klassische westliche soziale Denkleiter: Einer – mehrere – viele – alle. Dieser soziale und lineare Denkprozess wird in der Legende von Babylon rigoros gestoppt. Die Idee, dass das, was sie alle sagen und meinen, richtig sein kann, wird in der Legende von Babylon als absurd geführt. Keiner versteht die Sprache des anderen mehr. Jeder ist alleine auf dieser weiten Erde und in den unendlichen Räumen unseres Kosmos. Jeder ist auf sich gestellt.

Die Bildung eines „aristotelischen-popperschen-antichristlichen Systems“ wird in der Legende von Babylon von Gott selbst gestoppt. Jeder einzelne Mensch ist auf sich geworfen mit seiner Ausdrucksmöglichkeit in und durch die Sprache.

Für Konfuzius liegt jedoch das Geheimnis des menschlichen Zusammenlebens in der Authentizität der Sprache. Die Authentizität der Sprache verträgt keine Lüge. Die Lüge zerrüttet die Grundlagen der Ethik. Ganz viele Menschen behaupten deshalb intuitiv, dass in den 10 Geboten (Dekalog) das Lügen verboten ist. Das ist jedoch falsch, denn im Dekalog findet sich nirgendwo ein Verbot der Lüge oder Unwahrheit. Konfuzius Auffassung findet sich nirgendwo in Alten Testament, sehr wohl jedoch im NT und überall im Gefühl der Menschen.

Der derzeit letzte vernünftige westliche Denkansatz im Sinne Konfuzius und des NT ist die Erkenntnisweise des Konstruktivismus.

Heinz von Foerster schreibt:

In ihrer Erscheinung ist die Sprache, die ich spreche, meine Sprache. Durch sie werde ich meiner bewusst; dies ist die Wurzel des Bewusstseins.

In ihrer Funktion greift die Sprache nach dem anderen: dies ist die Wurzel des Gewissens. Und hier manifestiert sich die Ethik auf unsichtbare Weise durch den Dialog.“

KybernEthik, S.82, Heinz von Forster

Ich verstehe das so: Meine Sprache macht es mir möglich, mich mir selbst unverfälscht gegenüber zu setzen. Mit Hilfe meiner Sprache kann ich meine Körperlichkeit verlassen und mich gewissermaßen „von außen“ ansehen. Ich werde mir meiner bewusst und kann mich mit meiner Sprache selbst transzendieren. Weil ich mich mit Hilfe meiner Sprache auch „von außen“ sehen kann, kann ich im sozialen Kontext durchaus vernünftig und gut leben.

Weiterhin verwirklicht sich die Sprache in Kommunikationsprozessen. Diese funktionieren jedoch nur dann, wenn sie einen ethischen Minimalkonsens stillschweigend zugrunde legen. Wo man miteinander redet, kann man nicht aufeinander schießen. Sprache ist die Grundlage für Ethik und Ethik die Grundlage für den Dialog, dabei bleibt Ethik selbst unaussprechlich. Folglich kommt Wittgenstein zu dem Satz: „Es ist klar, dass sich Ethik nicht aussprechen lässt.“

Tractatus 6.421

Konfuzius schließt zirkulär von den Wirkungen auf die Ursachen. Weil er ganz bestimmte Wirkungen nicht will, muss er die Ursachen dieser Wirkungen ausschließen. Für ihn ist der Missbrauch der Sprache eine wesentliche Ursache sehr vieler Übel. Dieser Erkenntnisprozess ist zirkulär rückgekoppelt.

Im NT schreibt Jakobus im dritten Kapitel, Vers 2: „Wer aber auch in keinem Wort fehlt, der ist ein vollkommener Mann und kann auch den ganze Leib im Zaum halten.“

Das ist ein echt konfuzianischer Bibeltext. Jakobus, er soll ein Bruder Jesu gewesen sein, und Konfuzius liegen auf der gleichen Wellenlänge. Der Weg, den Konfuzius wählt, blockiert das Diktat der Massen. Auf seinem geistigen Weg gibt es diese Entwicklungsleiter: einer, mehrere, viele, alle, als Ausgangslage des logischen Denkens nicht.

Für ihn ist das sprachbegabte Individuum Ausgang und Endpunkt seiner Überlegungen. Natürlich hat es in China auch Diktaturen gegeben. Aber sie konnten sich niemals auf logische Schlussfolgerungen berufen. Sie griffen niemals in das logische Grundgefüge des Menschen ein, welches die Entwicklungspsychologen, allen voran der schweizer Piaget, sehr klar beschrieben haben und welches ein „richtiges Leben auch im falschen“ (Adorno) erst möglich macht.

Erst seit 150 Jahren wird in der westlichen Welt die Sprache untersucht. Die Ergebnisse sind überwältigend.

 

Teil 3:

Was wird im Vaterunser gesagt?

Wenn wir nun festgestellt haben, dass Sprache nicht beliebig, sondern, nur wenn sie authentisch, die einzig sinnvolle Grundlage für Ethik ist, schauen wir uns nun mit diesem Wissen das „Vaterunser“ an.

Beginnen wir mit der ersten Bitte:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.“

Die Anrede, „Vater unser“ ist ein mythologischer Ausdruck, der von der männlichen Potenz abgeleitet ist. Ein vitaler Mann kann viele Nachkommen zeugen. Er ist ihrer aller Vater. Diese Analogie ist ein wesentlicher Grundstein für die weite Verbreitung des Vaterunsers. Bei einem „Mutter unser“ würde diese Analogie fehlen. So ein Gebet hätte keine Chancen auf weltweite Verbreitung, obwohl die Innigkeit und emotionale Tröstung bei einem „Mutter unser“ viel größer sein könnte.

Dennoch, diese biologischen Möglichkeiten treffen konkret nicht auf die Christen und ihrem Gebet zu. Also müssen wir dem Text ein anderes Verständnis geben, nämlich ein symbolisches Verständnis. Symbolisch können sich alle Christen „Kinder Gottes“ nennen.

Dieses freie Spiel der Phantasie haben wir als Kinder ausgiebig probiert, indem wir die einen zu Cowboys und die anderen zu Indianern machten. Wir haben auch mit unseren Platzpatronen-Gewehren gezielt und geknallt und mit unseren gummierten Pfeilen geschlossen. Alles sollte so echt wie möglich sein. Dabei kam jedoch keiner auf die Idee mit tödlichen Waffen zu hantieren. Das hätte sofort den Zauber und die Lust am Spiel zerstört und seinen sofortigen Abbruch bedeutet. Es hätte auch Mitspieler, die wir zum Fortgang des Spiels brauchten, ausgeschaltet.

Bemerkung: Auch Chinesenkinder in der Tradition des Konfuzius machen das prinzipiell so.

Es gehört zur kognitiven Reifung des Kindes, dass Symbolisches und Konkretes unterschieden wird. Nachdem der Spielkuchen aus Sand einige Male probiert worden ist, weiß das Gehirn des Kindes sehr wohl um den Unterschied zwischen dem Sandkuchen und Mamas konkretem Kuchen. Diese Unterscheidung ist überlebenswichtig für das Individuum und bleibt es auch lebenslang. Diese kindliche Ebene des „als ob“, eine Vorstufe des „Als-Ob“ im Sinne Hans Vaihingers, wird fein säuberlich von der konkreten Lebenswirklichkeit getrennt.

Vater unser im Himmel“ ist eine symbolische Aussage und vergleichbar mit unserem kindlichen Spiel: Du bist der Sheriff, du bist ein Indianer und du bist ein Cowboy. Dieses kindliche „Als-ob-Spiel“ begleitet uns später unser ganzes Leben lang und verwandelt sich später in unsere eigene Lebensstruktur, die aus dem kindlichen Spiel die Wirklichkeit unseres Lebens formt, siehe die Erkenntnistheorie des Hans Vaihinger. Es ist völlig in Ordnung, dass wir eine Gottesidee so symbolisieren, „als ob“ sie unser Vater wäre.

Mit dem zweiten Teil des ersten Satzes beginnen dann erhebliche Probleme: „geheiligt werde dein Name.“

Was heißt das, einen Namen heiligen? Nach der schweizer Legende weigerte sich Wilhelm Tell den Hut des habsburgischen Landvogtes Hermann Gessler in Altdorf zu grüßen. Der profane und konkrete Hut wurde zum Symbol der Macht des Landvogtes. Hier schimmert im Konflikt mit Wilhelm Tell wieder Aristoteles und Poppers Deduktionsprinzip durch: Alle machen das, alle grüßen den Hut, dann kannst du es auch tun. Alle erkennen in der Symbolik den tatsächlichen Landvogt.

Die eigene Erinnerung an Mutters Kuchen und den Sandkuchen sind verblasst. Sie sind im Körper gespeichert und vor der Zeit der Erinnerungen (etwa 4 -5 Jahre) erlebt und zum Regelwerk unseres Handelns geworden.

Die konkrete körperliche (individuelle) Wirklichkeit, die unser Körper mit dem Sandkuchen gemacht und gespeichert hat, wird überlagert von der neuen Wirklichkeit, nämlich der sozialen. Gesslers Hut kann man ohnehin nicht essen, deshalb muss der Körper mit seinen ersten Grunderfahrungen nicht protestieren.

Nur der kognitive Apparat des Wilhelm Tell will keine Symbolik, also Phantasie mit der konkreten Wirklichkeit – den Hut grüßen – vermischen. Er erinnert sich, dass man den Sandkuchen nicht essen kann. Er will im Sinne Konfuzius authentisch bleiben. Wenn er seine Authentizität aufgeben würde, würde er die Grundlage seiner eigenen Geschichte und Ethik verlieren.

Wo ist das Problem, den Hut des Gessler zu grüßen? Alle machen das, deshalb kannst du es auch (Deduktionsprinzip). Dabei wurde übersehen, dass die Benennung nicht das Benannte ist und der Hut des Landvogts nicht der Landvogt selber war. Es wurde so getan „als ob“ der eine Indianer und der andere Cowboy waren.

Wilhelm Tell weigerte sich jedoch, die symbolische Handhabung in seine konkrete Wirklichkeit zu übertragen. Er weigerte sich, „den Sandkuchen aus Strandsand mit Mutters Kuchen aus Mehl und Zutaten“ gleichzusetzen. Der Hut des Landvogts war nicht der Landvogt, sondern nur sein Hut. Den wollte er nicht grüßen!

Der zweite Teil des Satzes im „Vaterunser“ verlangt, den Hut des Landvogts, also den Namen „unseres Vater“ im Himmel, zu heiligen. Wir sollen also nicht „den Vater im Himmel“ heiligen, sondern nur seinen Namen, gewissermaßen seinen Hut. Weil nun aber die Benennung etwas anderes ist als das Benannte, in unserem Falle der Name unseres „Vaters in Himmel“ nicht unser „Vater im Himmel“ selber ist, ist der Vergleich mit des Landvogts Hut absolut zutreffend. Das „Vaterunser“ will also, dass wir nicht „unseren Vater im Himmel“ heilig halten, sondern nur seinen Namen, gewissermaßen seinen „Hut“.

Was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Unsinn? Es kann doch nicht sein, dass Millionen Menschen offensichtlichen Blödsinn reden?

Um das zu verstehen, müssen wir uns, was für viele sehr langweilig ist, mit der Kirchengeschichte beschäftigen:

Als die „Sache Jesu“ die dritte Entwicklungsstufe (Einer (1), mehrere(2), viele(3), alle(4)) erreicht hatte, begann man den Wörtern Jesus eine besondere Bedeutung beizulegen. Im Judentum ist das eine ganz selbstverständliche Behandlungsweise von Texten, die über den Alltag hinaus Bedeutung haben. „Kaddosch“ ist das jüdische Wort für Texte, die besonders geehrt werden.

Im NT gibt es drei Begriffe, die mit heilig übersetzt werden: „hagios“, „hosios“ und „hieros“.

Alle drei Wörter beziehen sich auf konkrete Menschen, die von Gott berufen sind, die gemäß göttlichen Weisungen leben und die von der göttlichen Kraft erfüllt sind. Sie beziehen sich nicht auf Wörter, sondern auf Personen.

Alles das meint der zweite Halbsatz des „Vaterunsers“ nicht. Er bezieht sich konkret auf einen Begriff, auf ein Wort, auf einen Namen, gewissermaßen auf „einen Hut“.

Stammt dieser Name von Gott selbst? Nein, denn wir lesen im Exodus 3,14, dass Gott dem Mose keinen Namen – keine Selbstbezeichnung - gibt, sondern nach der Luther-Bibel sagt: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Damit lehnt Gott den Namensaberglauben radikal ab. Der Gott des Moses ist nicht objektivierbar. Da er „alles in allem ist“, ist zu ihm keine Distanz möglich. Erst die Distanz ermöglicht jedoch Namensgebungen. Die Juden respektieren das und wenn sie von ihrem Gott reden, sprechen sie von „dem Namen“ (Ha Schem) als einem Hilfsbegriff.

Dieser Gedanke wird in der Apostelgeschichte 17: 28 fortgesetzt in dem Satz: „Denn in ihm leben, weben und sind wir, wie auch etliche Poeten bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts“.

Kann ein Fisch das ihm umgebende Wasser erkennen? Er kann theoretisch dem Wasser erst einen Namen geben, wenn er selbst tot ist.

Gott lehrte Mose, dass die „Benennung nicht das Benannte“ ist. Gott hat keinen Namen. Welchen Namen wollen die Christen dann „heiligen“?

Kann der Name Gottes gemäß göttlicher Weisung leben? Ein Name hat kein Leben. Ein Name kann nicht gut oder böse handeln. Kann er einen guten Lebenswandel führen? Nein, er ist ein Begriff, ein Wort, mehr nicht. Warum soll man ein Wort – deinen Namen - heiligen?

Kann ein Name, ein Begriff, also ein Wort von göttlicher Macht erfüllt sein? Nein. Dennoch begleitet unser Denken das „Indianerspiel“ des „Als ob“. Wir tun so, als ob der Name Gottes mit göttlicher Macht erfüllt ist. Ist er aber nicht. Bonifatius (673 – 5.6.754/755) fällte die Donareiche in Geismar, die dem Thor (Donar) geweiht war. Thor rührte sich nicht und die Érwartungen der dort leben Chatten (Germanen) erfüllten sich alle nicht. Die deutschen Soldaten beteten diesmal nicht zu Thor, sondern zum Christengott – dem Sieger von Geismar - und baten um den Sieg oder gar um ihr Leben. Die Deutschen verloren den Krieg und viele auch ihr Leben. Religiöse Enttäuschungen sind das tägliche Brot aller Gläubigen.

Die zweite Bitte des „Vaterunsers“ heißt: Dein Reich komme.

Frage: Welches Reich soll kommen, ein demokratisches, autokratisches, eine Diktatur, eine Räterepublik, usw.?

Den jüdischen Gedanken des Reiches Gottes kommentiert der Alttestamentler W. H. Schmidt wie folgt: „Erkennt man, dass ein göttliches „Königtum“ in Israel vor der Landnahme nicht sicher bezeugt, aber der kanaanäischen wie überhaupt der altorientalischen Religion geläufig ist und eine Reihe von Verbindungen zwischen ugaritischen und alttestamentlichen Texten besteht, so ist die Schlussfolgerung nicht zu umgehen: Jahwes „Königtum“ ist ein Erbe Kanaans. Israels Gott hat das Königtum beider Götter, Els und Baals, auf sich vereinigt.“

Wikipedia, Reich Gottes

Die Idee von einem Reich Gottes ist heidnischen Ursprungs. Wer das erste Samuelbuch im AT aufmerksam liest, wird finden, dass Gott sich selbst gegen diese Idee ausspricht, aber im Sinne des israelischen Volkswillen dem Samuel befielt, diesem Volkswillen nachzugeben.

Die zweite Bitte konkret zu verstehen, führt also ins aus.

Bleibt also nur eine symbolische Deutung. Wenn aber dieses Reich, dass nur eine symbolische Größe ist, irgendeinen Sinn haben soll, muss gefragt werden, welches ist dieser Sinn?

Jesus selbst gibt uns eine Antwort: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt…“

Johannes 18, 36

Bei Jesus stehen wir auch wieder vor dem Nichts.

Die Frage, ob das konkrete Reich des Vaters im „Vaterunser“ und das konkrete Reich Jesu im Johannesevangelium identisch sind, ist die nicht mehr klärbare Frage.

Wenn wir auf der symbolischen Ebene bleiben, fragen wir, was könnte mit dem Reich des Vaters und/oder dem Reich Jesu gemeint sein? Wir wissen es nicht und wir können es nicht wissen. Es ist und bleibt ein Phantom.

Dieses Phantom hat in der Kirchengeschichte sehr viel geholfen, aus den divergierenden ersten Jüngern eine Kirche zu schmieden. Das ist der Sinn dieses symbolischen und unhinterfragbaren Gottesreiches. Dass da viel gemordet und umgebracht wird, ist der Entstehung eines irdischen und konkreten Reiches geschuldet. Also doch keine Symbolik?

Auch die symbolische Deutung kann nicht über das Faktum hinweg helfen, dass Katholiken und Protestanten sich gegenseitig umgebracht haben und dann endlich im zukünftigen „Gottesreich“ vereint miteinander existieren sollen. Auch in der Symbolik bedarf es einiger logischer Entsprechungen, denn der Sandkuchen am Strand ist nun mal nicht mit Mutters selbst gebackenen Kuchen zu vergleichen und zu verwechseln, außer mit dem Namen. Daraus ergibt sich noch lange nicht die Berechtigung, Mutter Kuchen und den Sandkuchen zu vermischen. Das Gemisch taugt dann weder zum Spielen noch zum Essen.

Wir erkennen, dass die „Bitte“ „dein Reich Komme“ substanzloses Geschwafel ist. Das jedoch ist Jesus nicht zuzumuten.

Die dritte Bitte zeigt die ganze Perversion des „Vaterunsers“: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“

Den Himmel hatten wir schon in der Anrede und haben uns darauf geeinigt, dass damit ein symbolischer Himmel gemeint sein muss, anders ist ein Verständnis des „Vaterunser“ gar nicht herzustellen.

In diese Symbolik kann man – wenn auch schwer – „auf Erden“ mit hineinpacken. Wenn nun Himmel und Erde symbolisch zu verstehen sind, muss man dann auch „den Willen des Vaters“ symbolisch verstehen? Aber wie kann man ihn symbolisch verstehen? Die Geschichte des Christentums zeigt bis auf den heutigen Tag, dass das wohl geht. Im Klartext: Um den Willen des Vaters muss sich keiner kümmern, das ist alles nur symbolisch!

Oder doch nicht? Mit den Worten: Deus lo vult (Gott will es!) hat Papst Urban II am 27.11.1095 zum ersten Kreuzzug aufgerufen. Das Räubern und Morden durch diesen Kreuzzug war beileibe nicht symbolisch. Da wurden ganz konkrete Menschen im Namen Gottes grausam gequält und umgebracht.

Symbolisch wie konkret macht diese Bitte überhaupt keinen Sinn. Da stellt sich mir nun die Frage, warum muss man in suggestiven Wiederholungen (alle Christen in der Welt!) um etwas bitten, was es in der konkreten Substanz gar nicht gibt und symbolisch keinen Sinn ergibt und von vorne herein deshalb nur eine sinnlose Sprechblase ist?

Der Wille, egal ob stark oder schwach, ist ein Kennzeichen einer Person. Bei Jesus äußert sich der Wille des Menschen sehr konkret und ist die Grundlage der Heilung, siehe Johannes 5,6. „Willst du gesund werden?“ Darin wird Jesu Vorstellung von einem Willen sichtbar, die im „Vaterunser“ völlig fehlt.

Kann es überhaupt sein, dass Jesus in einem ihm zugeschriebenen Gebet einen Willen anspricht, der nirgends irgendwo, irgendwie konkret ist?

Gerade die Unkonkretheit des „Willens des Vaters im Himmel“ ist der Tummelplatz aller sich bekämpfenden Religionsführer. Sie alle geben vor zu wissen, was Gott will. Dennoch ist selbst aus der Bibel nicht erkennbar, was Gott – wer immer das sein soll – will.

Den „Willen des Vaters im Himmel“ um Verwirklichung zu bitten ist künstliche Regression auf den kindlichen Sandkuchens wie der kindlichen Indianer. Es zielt auf Verblödung aller seit der Kindheit gemachten Lebenserfahrungen mit seinen Schlussfolgerungen.

Die folgenden vier Bitten sind an Unsinn kaum zu übertreffen. Die erste Bitte „dieser vier“ heißt: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“

Die Theologen streiten, ob es so oder anders richtiger heißt: „Unser Brot für morgen gib uns heute.“

Beide Versionen widersprechen diametral den Schlussversen desselben Matthäus 6 Kapitels, deren Anfangsverse das ausführliche „Vaterunser“ zeigen: „Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? Nach solchen allem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr des alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.“

Matthäus 6:31-33

Wie soll ein Normalbürger ohne religiöse und/oder traditionelle Brille solchen Widerspruch verstehen? Einerseits sollen wir Gott – „das Höchste, was gedacht werden kann“ (Anselm von Canterbury) um unser Brot bitten und andererseits weiß genau dieser Gott - „das Höchste, was gedacht werden kann“- wessen wir alles bedürfen, und wir sollen uns keine Sorgen machen.

Es kann nicht bösartiger formuliert werden. Eine Mutter, die ihren verhungernden Kindern nichts zu essen geben kann, soll sich keine Sorgen machen? Sie soll anderseits Gott um das tägliche Brot bitten, von wo noch niemals eine Lebensmittelspende kam? „Boshafteres kann nicht gedacht werden.“

Es ist festzuhalten, dass diese Bitte des „Vaterunser“ in 2000 Jahren nachweislich niemals erhört worden ist. Erst Agrarreformen und verbesserte Handelswege haben den Ansturm des Hungers zurückgedrängt. Dabei ist niemals ein Glaube oder ein Gott wirklich aktiv geworden, sondern Schopenhauers Mitgefühl als Grundausstattung des menschlichen Lebens. Gott hätte doch in zweitausend Jahren christlicher Geschichte milliardenfach Chancen und Möglichkeiten gehabt, Hungernde und Verhungernde mit nur ein bisschen Brot täglich zu retten.

Die nächste Bitte ist genauso unsinnig. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Wir wissen aus der uns bekannten Menschheitsgeschichte, dass Schuld ein Prädikat ist, welches der Mode unterworfen ist. Was bei den Nazis Schuld war, war bei den Demokraten freiheitliches Heldentum. Wer in der Bibel noch des Todes schuldig war – Homosexuelle – darf heute Priester oder Pfarrer werden.

Welche Schuld (Schulden) und Sünden soll Gott uns vergeben? Wo gibt es eine verlässliche Liste der menschlichen Schuld, Schulden und Sünden, welche die Zeiten und Modeströmungen überdauern? Schließlich ist Gott „das Höchste, was gedacht werden kann“ und damit auch überzeitlich – „derselbe von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Psalm 90:2 Es ist deshalb nicht möglich, Gottes Wort den zeitlichen Interpretationen anzupassen. Die Theologen irren, wenn sie behaupten, dass „das Wort Gottes in jeder Generation neu gedacht werden muss“. Die letzten Verse der Bibel sprechen dazu eine klare Warnung aus: Offenbarung 22: 18 -19

Schuld ist ein systemimmanenter Begriff, der seine Gültigkeit nur aus dem System bezieht, in dem er verwendet wird. Das moralische System ist doch nur eines von jenen vielen Systemen, die wir Menschen bisher aufgestellt haben.

Gibt es zum Beispiel in biologischen Systemen den Tatbestand der Schuld? Wird der Löwe schuldig, wenn er die Antilope reißt? Wenn die vorgenannten Attribute Gottes gültig sein sollen, muss der Begriff Schuld auch überall gültig sein. Dann wird tatsächlich der fleischfressende Löwe schuldig. Das AT scheint diese Gedanken anzudeuten im Jesaja 65:25. Dort soll der Löwe Stroh fressen! Möglicherweise hat schon der Deuterojesaja ähnliche Probleme gewälzt.

Der andere, der individualisierende Ausweg durch die Berufung auf das Gewissen des Einzelnen hilft auch nicht weiter. Das Gewissen des einzelnen Kannibalen empfindet Schuld, wenn er seinen Gegner nicht aufisst.

Das praktische Lebensmodell des Heraklit – man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen, alles wandelt sich – ist unbrauchbar für das Christentum und speziell für das „Vaterunser“.

Deshalb müssen wir alle diese hirnrissigen Gedanken durcharbeiten, weil sie uns täglich belästigen, siehe Wikipedia: „Das Vaterunser ist das am weitesten verbreitete Gebet des Christentums und das einzige, das laut Aussage des Neuen Testamentes (NT) Jesus von Nazareth selbst seine Jünger gelehrt hat. Es wird von Christen aller Kirchen und Konfessionen gebetet, von den meisten auch im Gottesdienst…

Wie soll man nun die nächste Bitte verstehen: „Und führe uns nicht in Versuchung.“

Eine Versuchung ist der Anreiz oder die Verleitung zu einer Handlung, die reizvoll erscheint, jedoch unzweckmäßig ist, einer sozialen Norm widerspricht und/oder verboten ist. Sie kann sich auf alle denkbaren Arten von Tun oder Lassen beziehen…“

Wikipedia, Versuchung

Da die Versuchung eine Abweichung von einer Vorgabe ist, suchen wir die Vorgabe im „Vaterunser“. Das kann also nur die dritte Bitte sein: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“

Aber da „der Wille des Vaters im Himmel und auf Erden“ undefiniert geblieben ist, können wir auch nicht wissen, welche Versuchung uns möglicherweise davon abbringen kann.

Auch diese Bitte ist – wie das ganze „Vaterunser“ – einfach nur eine Luftnummer und eine Sprechblase.

Die letzte Bitte: „sondern erlöse uns von dem Bösen.“ ist der krönende Abschluss einer hirn- und sinnlosen Geschwätzigkeit. Wir wissen, dass es „den Bösen“ konkret nicht gibt. Gabriele Amorth, (Wikipedia Gabriele Amorth) der katholische Priester und Exorzist von des Papstes Gnaden ist zwar anderer Meinung.

Wir wissen auch, dass es „das Böse“ nicht gibt. Es gibt auf der nach unten weisenden offenen Skala des menschlichen Fehlverhaltens immer neue abschreckende Beispiele menschlicher Bosheiten, aber eine Objektivierung auf „das Böse“ ist nicht möglich.

Aber so wie „die Versuchung“ ist auch „der oder das Böse“ abhängig von seinem Gegenteil. Es gibt diese Negativismen nur im Zusammenhang mit seinem positiven Gegenpol. Es stellt sich die Frage, ob wir moderne Menschen die Systeme von Gut-und-Böse, Gott-und-den-Bösen, usw. überhaupt brauchen?

Der Negativismus ist in der Psychiatrie ein Symptom der katatonen Schizophrenie, das aus krankhaften Misstrauen und Paranoia besteht und sich in einer Verweigerungshaltung manifestiert.“

Wikipedia Negativismus (Psychiatrie)

Da der Negativismus in abgeschwächter Form durch das Christentum – Augustinus und die Erfindung der Erbsünde – zu einer kollektiven Identitätsbildung geführt hat, wird diese auch in der Verweigerungshaltung gegen vernünftiges Denken in Sachen „Vaterunser“ deutlich. Die kollektive Verweigerung, das „Vaterunser“ kritisch zu hinterfragen, wird auch erkennbar in den mangelhaften Publikationen und kritischen Untersuchungen des „Vaterunser.

Abschließend möchte ich bemerken, unser Verhältnis zum „Vaterunser“ gleicht Hans Christian Andersens Märchen von „des Kaisers neue Kleider.“ Es ist nichts und wird von dem meisten Christen immer wieder mit großer Ehrfurcht sinnlos dahin gebrabbelt. Im Sinne Aristoteles, Poppers und der Soziologie hat es ganz starke Analogien zum allgemeinen Denken.

Damit kommen wir zum Anfang unserer Betrachtung zurück: „Das Vaterunser ist das am weitesten verbreitete Gebet des Christentums und das einzige, das laut Aussage des Neuen Testamentes (NT) Jesus von Nazareth selbst seine Jünger gelehrt hat. Es wird von Christen aller Kirchen und Konfessionen gebetet, von den meisten auch im Gottesdienst.

Und keiner fragt nach Sinn, Inhalt und Zweck der ganzen Litanei.

Uwe Peters 25.02.2014

 

Vater unser, der du bist im Himmel

gereinigt werde dein Name

Wir sind steinreich, komm ey,

unser Wille geschehe wie in Chile so auch in Schweden

Deren tägliches Brot gib uns heute

und vergib du ihnen doch ihre Schulden,

wie auch wir vergeben unsere Kredite

Und führe keine Untersuchung,

sondern gib die Erlöse uns von den Börsen

Denn wir sind reich, ham die Kraft und die Herrlichkeit

und sie bleiben immer die in Ewigkeit Armen.

Hagen Rether

 

Vater unser, der du bist im Himmel

und dich um nichts auf dieser Erde kümmerst

Deine Illusion werde durch Tradition

im sozialen Lernen fester und fester verankert

damit der nächste Untergang der Welt

unsere Versorgung mit Sicherheiten

und Lebensmittel überflüssig macht.

 

Wir folgen dir willig und gerne

in den Untergang dieser schönen Welt.

 

Und vergib uns unseren Lebenswillen

wie auch wir den Überlebenswillen anderer vernichten denn du bist ein Liebhaber des Todes.

 

Und führe uns nicht in Versuchung

verantwortlich zu handeln

sondern erlöse uns

von Vernunft, Liebe und Mitleid,

denn dein ist die Dummheit,

Fanatismus und Grausamkeit

und die dazu gehörenden Rechtfertigungen,

in Ewigkeit, Amen

Uwe Peters, 24.08.2012

 

 

Lieber Fußballgott

dein Ball komme,

dein Spiel geschehe.

 

Unsere Tore gib` uns heute.

Und vergib uns unsere Fouls,

wie auch wir vergeben den Schiedsrichtern.

 

Führe uns nicht ins Abseits,

sondern bewahre uns vor Kontern.

Denn dein ist das Spiel,

und der Sieg,

und die Champions League,

in Ewigkeit. Auf geht`s.

SAT1, Werbefilm, Freitag 25.Mai 2012

www. vater unser kritisch